Während Kellner-Namenlos vor den Augen des sensationslüsternen Publikums sein Blut vergoss, stand Meister Wang mit aufgerissenen Augen inmitten des Infernos und sinnierte über den therapeutischen Wert regelmäßigen Katastrophentourismus für die Stabilisierung des eigenen Ichs.
Diese Gelegenheit unbeobachteter Freizügigkeit ließ sich Miezuki nicht entgehen. Rücksichtslos strampelnd schlug er auf dem Weg in die Freiheit eine Schneise der Verwüstung durch die Reste des Festmahls, bis er endlich mit gesträubten Haaren und lautem Jubelgeschrei durch die Eingangstür flog. Offenbar tobte er sich im Vorbeigehen noch an Wus dekadenter Inneneinrichtung aus. Poltern und Jammergeschrei setzten sich jedenfalls eine Zeitlang fort, bevor sie schlussendlich in der Ferne erstarben.
Meister Wang seufzte erleichtert. Das war überstanden! Die kolossale Anspannung entwich seinem Körper, wie der Wind aus einem prallen Ballon. So klang es jedenfalls…
Wu hatte sich mit stark gerötetem Antlitz erschöpft auf seinen blattgoldverzierten Stuhl fallen gelassen und schnaufte wie eine fußkrankes Nilpferd beim Durchqueren der Wüste Gobi. Mai Ling fächelte ihm mit hektischen Bewegungen Luft zu, so dass ihr lebensbedrohlich enges Miederchen noch stärker unter der enormen Last seiner Füllung ächzte.
Bai Lings Hirn schien inzwischen den Stand-by-Modus verlassen zu haben. Wus linksseitiges Konkubinchen schien im wahrsten Sinne des Wortes den Braten gerochen zu haben. Das unterentwickelte Denkorgan hinter ihrer stark gerunzelten Stirn versuchte krampfhaft einen Kausalzusammenhang zwischen Meister Wangs schuldbewusstem Grinsen und dem Amoklauf der zu strikter Diät verdammten Katze herzustellen. Meister Wang setzte reflexartig seine tausendfach erprobte Unschuldsmine auf, die ihm bei Missis Wangs Hang zu turnusmäßigen inquisitorischen Befragungen zahllose Male wichtige Teile seiner Anatomie gerettet hatte.
Letztlich schaffte es Bai Lings überfordertes Zerebrum nicht, eine schlüssige Ursächlichkeit der heimlichen Fütterung Miezukis für den Tobsuchtsanfall und der spontanen Erkenntnis, dass ihn sein Herrchen doch nicht so liebte, herzustellen und strich die Flagge. Vermutlich war es in der genetischen Lotterie bei seinem Anteil an der zur Verfügung stehenden Körpermasse von dekorativeren Körperteilen auf einen der hinteren Plätze verwiesen worden und schmollte seitdem in der typischen, frustrierten Leistungsverweigerungshaltung.
Bai Ling wandte sich nun ebenfalls ihrem heftig schnaufenden Brotherren zu, der immer noch japste wie ein Panda nach 100 Meter Sackhüpfen. Meister Wang grinste erneut – diesmal aber nur innerlich. Das hämische Feixen verging ihm schlagartig, als sich die verfluchte Ente mit einem triumphalem Auftritt in seinen Eingeweiden zurückmeldete…

















































