Okt 19 2008

Rätsel um Redewendung “Holla die Waldfee” endgültig geklärt

Category: AllgemeinLorenz Meyer @ 11:24

Wir alle benutzen in unserem täglichen Sprachgebrauch immer wieder Ausdrücke und Redewendungen, über deren Bedeutung und Herkunft wir nichts wissen.

Holla die Waldfee“, ist einer dieser Sprüche, mit denen wir ungläubiges Erstaunen kund tun oder unseren Respekt zum Ausdruck bringen. Woher dieser Ausruf stammt, konnte bislang nicht zuverlässig geklärt werden.

Jetzt sind uns aus dem Nachlass der Charlotte (Lotte) Grimm das in dieser Hinsicht aufschlussreiche Tagebuch und einige Manuskripte aus dem Jahre 1828 zugespielt worden. Die in der Märchenforschung unbekannte Frau stand Zeit ihres Lebens im Schatten ihrer berühmteren Brüder Jacob und Wilhelm (Gebrüder Grimm). So beklagt sich Charlotte in ihren Aufzeichnungen darüber, dass ihre Brüder die von ihr mühsam gesammelten Märchen “in erschrecklicher Weyse verstümmelt oder gänßlich verbannet haben“.

Und tatsächlich: das von Charlotte Grimm nieder geschriebene Märchen von “Holla, der Waldfee” findet in den so genannten “Grimmschen Märchen” keinerlei Erwähnung. Über die Jahrhunderte war lediglich der Titel des Märchens von einer Generation an die andere übergeben worden.

Wir wollen Charlotte Grimm die Ehre zukommen lassen, die ihr gebührt und veröffentlichen als erste das Märchen von “Holla, die Waldfee”, welches gleichzeitig die Bedeutung des gleich lautenden Sprichworts erklärt.

Vor gar nicht all zu langer Zeit lebten an einem fernen Ort drei wunderschöne Schwestern namens Hillu, Hella und Holla in einer einsamen Hütte im tiefen, finsteren Wald. Den Unbilden des Wetters ausgesetzt und nur mit einem kleinen Gärtchen ausgestattet, fristeten sie ein gar kärgliches Dasein.

So schön anzuschauen die Schwestern auch waren, verband sie doch ein grausiges Schicksal: als Kinder waren die drei Mädchen von ihrem Vater, dem mächtigen König des Landes, verstoßen und im Wald ausgesetzt worden.

Doch trotz aller täglichen Mühsal waren die Königstöchter stets frohen Mutes und erfreuten sich an ihrem bescheidenen Leben. Und wenn es Sommer war, begaben sich die drei Waldfeen, wie sie sich spielerisch nannten, nach ihrem Tagewerk auf die angrenzende Waldlichtung, um ein Bad im Weiher zu nehmen. Nach der nassen Erfrischung tollten sie meist noch einige Zeit unbeschwert und nur mit ihrem entzückenden Kichern bekleidet über die Wiese, sangen gar liebliche Lieder und pflückten Blumen.

Nun begab es sich eines Tages, dass sich der Prinz des Nachbarkönigreichs auf einem Ausritt befand und dabei vom Wege abgekommen war. Nach einiger Zeit des Herumirrens erreichte er die versteckte Waldlichtung und entdeckte im schummrigen Licht der heran nahenden Dämmerung die drei Königstöchter bei ihrem munteren Spiel. Leise stieg er vom Pferd ab und schlich sich im Schutz der Büsche näher. Einer spontanen Eingebung folgend bemächtigte er sich ihrer herumliegenden Kleider und nahm erneut sein Versteck im Dickicht ein.

Wie magnetisch angezogen ruhte sein Blick auf den drei Schönheiten. Doch die Minuten in denen er sich an den entblößten Körpern der drei lieblichen Grazien ergötzen konnte, vergingen nur allzu schnell, denn für die Königstöchter war nun die Zeit des Aufbruchs gekommen.

Zunehmend verzweifelter suchten die Mädchen nach ihren Kleidern und fingen alsbald an, gar bitterlich zu weinen.  So gab er sich zu erkennen und rief mit forscher Stimme “Ihr könnt Eure Kleider zurück bekommen. Doch jede von Euch muss mir ihren Namen sagen und mir einen Kuss auf den Mund geben.

Das Schluchzen der Schwestern, die sich vor Scham einen Klafter tief in den Erdboden wünschten, verstummte. Nach einigen Momenten der Stille trat die Erste hinaus, nackt wie Gott sie dereinst geschaffen hatte…

Gemächlichen Schrittes trat sie auf den Prinz zu. “Hillu, die Waldfee“, hauchte sie ihm ihren Namen entgegen und gab ihm den geforderten Kuss. Ihre Lippen fühlten sich an wie die vom Tau benetzten Rosenblätter an einem lieblichen Sommermorgen.

Danach trat die nächste Schwester hervor. Ihr marmorfarbener Teint blendete sein Antlitz. Sie sah ihm in die Augen: “Hella, die Waldfee“. Ihr Kuss schmeckte wie edelster Perlwein, der seine Sinne benebelte wie es noch kein Wein zuvor getan hatte.

Da hörte er hinter sich ein Knacken im Geäst. Aus einem Augenwinkel sah er noch den heran nahenden Knüppel, der sich über seinem Haupte erhob. Doch da war es schon zu spät, und jählings ging er zu Boden. “Holla, die Waldfee“, hörte er eine weibliche Stimme sagen. Verschwommen erkannte er einen unbekleideten Frauenkörper, der sich über ihn beugte und fühlte den letzten Kuss.

Während er sein Leben aushauchte und von dieser Welt schied, wiederholte er in ungläubigem Erstaunen: “Holla, die Waldfee!”

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18 Responses to “Rätsel um Redewendung “Holla die Waldfee” endgültig geklärt”

  1. Redewendung “Holla die Waldfee” enträselt | Endl.de Weblog says:

    [...] via Rätsel um Redewendung “Holla die Waldfee” endgültig geklärt | Sheng Fui. [...]

  2. Johannis says:

    Heißt das nicht eigentlich “Husch, husch, die Waldfee” und “Holla, das sind aber dolle Dinger”? http://de.wiktionary.org/wiki/husch,_husch,_die_Waldfee!

  3. irgendlink says:

    Neenee, das Rätsel geht doch so: Monikas Vater hat vier Töchter. Hillu Hella und Holla. Wie heißt die vierte Tochter?

  4. fateasy says:

    Stellt sich hierbei natürlich die Frage, wie es denn dann zu der Überlieferung dieser Geschichte kam, da doch der Hauptdarsteller das Zeitliche segnete. Und da die lieblichen drei Waldfeen aufgrund ihrer schlichten Existenz innerhalb bildungsferner Schichten wohl auch kaum zu einer schriftlichen Niederlegung dieses – sie sehrwohl traumatisierenden – Ereignisses befähigt waren, käme nur noch die flotte Lotte als Zeugin in Betracht.

  5. Dominik T. Ratzinger says:

    Petras Mutter hat 4 Töchter: Hillu, Hella, Holla und ???

    Haha, reingefallen!

    Lösung ist Petra.

    Gruß,
    RatzE

  6. mugl47 says:

    …. und ich dachte immer, die erste der Waldfeen hätte Superillu geheißen..?? Wer klärt diese wichtige Frage? Die flotte Lotte ist derzeit mit Apfelmus beschäftigt.

    Bitte dringend!!!!

    Übrigens Spamschutz: Wieso ist 7 + 9 nicht 79 ??

  7. pinki says:

    @mugl47: Die Antwort lautet “Ja”.

    Zur Herkunft: Der Spruch kommt vom Skat.
    http://www.tca-skat.de/skatsprueche.htm

  8. Gondlir says:

    Ich bin jetzt auf das Märchen zu “Pikus der Waldspecht” gespannt…

  9. Tschekker says:

    Also … mich würde wahnsinnig das Märchen: Gina die Wilde interessieren … :oops:

    Ähhh … aus rein energetischen Gründen natürlich!!! :twisted:

  10. Hein Blöd says:

    Ich liebe Grimms Märchen. (Ich wusste gar nicht, daß das nur Brüder sein sollen – wo bleibt denn da die Gleichberechtigung?) Rein vom energetischen her muß eine Schwester, weil weiblich, dabei sein. Zweimal maskulin geht nicht. Die Energie stoppt da und blockiert sich selbst. Aber was erzähle ich da, das weiß doch jeder Feng-Shuianer selbst besser. Jedenfalls die “H… die Waldfeen” sind ein ganz tolles, weil energetisch wunderbares Märchen. Danke Lorenz, daß du das mit uns teilst.

  11. Tschekker says:

    @ Hein Blöd
    Duuuhuuuuu … WIR Sheng-Fuiler wissen das … natürlich … aber Feng-Shuianer haben da – wie in vielen anderen Dingen – energetische Probleme …
    Das mit den “Brüdern” darfst Du auch nicht überbewerten … denn erstens hatten sie eine Schwester (und was DAS bedeutet, davon könnte ich Dir so manches Liedlein singen) und zweitens haben die Jungs ja “nur” zusammen getragen … und wie am Beispiel von “Holla, die Waldfee” dabei schon das ein- oder andere weggelassen … energetisch gesehen …
    Und: HEUTE würde die Geschichte ganz anders aussehen … da hätte es viel frivolere Forderungen an die 3 Schönheiten gegeben … und verendet wäreder Gute letztlich an einemHerzinfarkt … hervorgerufen durch zu hohe körperliche Beanspruchung … wenn Du verstehst … :roll: … aber das ist jetzt eine ganz andere Geschichte … :twisted:

  12. Lorenz Meyer says:

    @ Tschekker: Das Märchen von Gina der Wilden war tatsächlich eins, denn es handelte sich um die keineswegs wilde Hochstaplerin Michaela Schaffrath. Trotzdem kursieren weiterhin viele ihrer Märchenfilme in Videotheken und Internet und werden vornehmlich von männlichen Rezipienten konsumiert. Ein fürwahr trauriges Kapitel Mediengeschichte.

  13. Lorenz Meyer says:

    @ Hein Blöd: Danke für die freundlichen Zeilen, die uns Lob und Ansporn zugleich sind.

    Energetische Grüße und Chi heil

    Lorenz

  14. Grmblzmbl says:

    Irgendwie erinnert mich die Geschichte an ein Märchen aus der indischen Mythologie. Dort ist es, falls ich mich richtig erinnere, Shiva oder Krishna, der einer jungen Frau beim Baden zusieht und ihre Kleider versteckt, worauf sie sich nackt aus dem Wasser begeben musste und er sich an ihr sattsehen konnte, bevor er ihr (Natürlich für sexuelle Dienste) ihre Klamotten zurückgab. Aus dieser Verbindung soll dann wieder irgendein Gott hervorgegangen sein.

  15. Synecdoche, New York « Neles Blog says:

    [...] die ihn selbst und darüber hinaus eine universelle Wahrheit widerspiegeln soll. Holla die Waldfee. Da sind schon ganz andere an viel einfacheren Aufgaben gescheitert. Damit das Scheitern kolossal [...]

  16. Magadan says:

    Hey, welch Freude, dass eure “Energien” offensichtlich auch im cerebellum wirken. Apropos Märchen: Erklärt mir bitte westlich, humanistisch und nachvollziehbar das Märchen von Feng-Shui. Man sollte daran glauben, oder? Sprit-rituelle Grüße

  17. Magadan says:

    Anm. westlich bedeutet am Greenwich Null-Meridian. Also bitte in British English.

  18. Magadan says:

    und Sheng-Fui verstehe ich überhaupt nicht. Bitte um Abhilfe. Energized greetz

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