Meister Wang und die Entstehung des Feng-Shuis: Teil 9
Meister Wang eilte weiter durch die kleinen Gassen und Straßen der Stadt, wobei er leise vor sich hin kicherte.
Plötzlich musste er an das neue Material denken, das die unzähligen Meister und Handwerker, die vielen emsigen Arbeiter im Weinstock der Harmonie, für die Berechnungen auf Grundlage der fünf Elemente nunmehr brauchen würden. Er hätte das Monopol und nur er könnte Lizenzen vergeben. Angesichts dieser Geschäftsaussichten entrang sich ein ekstatischer Seufzer des Glücks seinen Lippen. Eigentlich klang es wie die Mischung aus unartikuliertem Gurgeln, hysterischem Kichern und brunftigem Schnauben.
Glücklicherweise waren derartige Geräusche in dieser stark von Eselskarren frequentierten Straße keine Seltenheit. Dennoch, vor ihm laufende Passanten blickten sich offenbar in der Erwartung um, dass sich hier eines der widerborstigen Tiere in aller Öffentlichkeit übergab. Immerhin doch kein so alltäglicher Anblick, zumal Meister Wang gerade die örtliche Apotheke mit all den bunt verpackten Pülverchen und Potenzmittelchen in den Auslagen, passierte (glücklicherweise kannten sie seinen Vornamen nicht).
Meister Wang setzte augenblicklich wieder seine ehrfurchtgebietende Miene auf, schob seinen mächtigen Bauch, das voluminöse, weithin sichtbare Zeichen seines Wohlstandes, weit nach vorn und schritt eilig aus. Das fehlte noch, dass irgendwelche Geschichten über den Meister und Begründer der Lehre des Feng Shui in Umlauf gerieten und irgendwann in die Annalen der Geschichte landeten. Auf keinem Fall sollte sein Name mit irgendwelchen Potenzmittelchen in Verbindung gebracht werden!
Die Passanten tuschelten zwar, schauten aber weg. Das war noch einmal gut gegangen! Er tastete nach dem Glücksanhänger mit den beiden Fu-Hunden. Wie auf Befehl knurrte sein Magen. Man sollte die appetitanregende Wirkung eines morgendlichen Spaziergangs eben nicht unterschätzen.
Meiste Wang überlegte, ob er zu einem kleinen Imbiss in eins der vielen kleinen Schnellrestaurants am Rand der Straße einkehren sollte. Wu würde warten aber andererseits ist ein leerer Magen ein schlechter Ratgeber in einem wichtigen Meeting.

Was soll´s, ein Fladenbrot mit vom Spieß geschnitten Entenfleischstückchen, Tomaten, Zwiebeln, viel Knoblauch und scharfer Soße wäre jetzt genau das Richtige. Vielleicht probierte er ja zur Feier des Tages auch die Kräutersoße, obwohl ihm Meister Lang, sein Hausarzt immer davon abriet.
Die bösen Geister, die darin wohnten, würden sehr schnell von ihm Besitz ergreifen und würden wieder heraus wollen. Bedächtig stellte er sich an den Imbiss, nicht ahnend, dass die Portion gegrilltes Entenfleisch im Fladenbrot mit Kräutersoße, der er erwartungsfroh mit den Füßen trappelnd entgegensah, die Welt der Harmonie für immer verändern würde.















