Meister Wang und die Entstehung des Feng-Shuis: Teil 8
Meister Wang hatte die Lösung gefunden. Jawohl, es brauchte eine neue Zeit. Eine Zeit in der fünf die Zahl der heiligen Elemente war. Eine Zeit, in der die Toiletten draußen im Hof lagen. Und er war ihr Wegbereiter, ihr Prophet und Mentor, der Nestor einer ganz neuen Bewegung.
Rasch raffte er seine Utensilien, all die gesegneten Pläne, die ihm eine glückliche Fügung des Schicksals beschert hatte, zusammen und betrat eiligen Schrittes die belebte Straße, die ihn zur Residenz des Beamten Wu und gleichsam in eine freudvolle Zukunft voller Glück und Wohlstand führen würde.
Während er den morgendlichen Rinnsalen mit den übel riechenden Inhalten der Nachgeschirre auswich, malte er sich seine Aussichten in den kräftigsten Farben aus. Er würde schlagartig berühmt werden. Die Einladungen aus dem ganzen Reich wären nicht mehr zu zählen. Er würde auf ausgedehnte Vortragsreisen gehen, würde Vorträge und Seminare halten. Vielleicht sogar beim Kaiser, dem gottgleichen Herrscher der verbotenen Stadt, wie immer der Aktuelle auch gerade hieß. Immerhin wechselten die so schnell, wie Missis Wangs Launen, so dass man hier in der beschaulichen Provinz schnell den Überblick verlor.
Meister Wang würde irgendwann sogar den kaiserlichen Palast umgestalten. Natürlich, für den Kaiser würde er das Toilettenhäuschen aus goldgewirktem Alabaster in einem goldgepflasterten Hof vorsehen und die Berechnungen zur korrekten Lage auf den goldenen Achsen des Glücks besonders genau ausführen.
Missis Wang würde das aber nicht gefallen. Seine ständige Abwesenheit in fremden Städten, mit fremden Kurtisanen und vielleicht auch noch mit fremden Hofdamen in Peking. Seine aufsteigende Erregung begegnete plötzlich nackter Angst, die von oben herabsank.
Andererseits, sollte Missis Wang doch angesichts seiner neuen Bedeutung keifen und toben. Er würde schweigen und lächeln. Nicht so gequält, wie sonst, aber er würde lächeln. Schließlich lebte er in einem Land, in dem die Männer offiziell viel und die Frauen wenig zu sagen hatten. Meister Wang würde über den Dingen stehen und den Schmerz viel leichter als sonst wegatmen.
Er war der Messias, der Wegbereiter. Sein Feng Shui war der Weg in die Zukunft. Noch in hundert, nein tausend Jahren würde man von ihm sprechen und ehrfurchtsvoll seinen Namen, wie den des großen Konfuzius, raunen. Wen interessierte dann noch das Gekeife von Missis Wang. Weiß Gott, von Missis Konfuzius war auch keine Rede mehr, obwohl sie, wenn man der Klatschpresse glauben durfte, auch kein stilles Pflänzchen im Lustgarten der ehelichen Harmonie gewesen war.


tolle knakllergeschichte
Es muss heißen: “Knallergeschichte”. Soviel Zeit muss sein…