Blogger, Buchautor und Sheng-Fui-Sympathisant: Johannis R. Jappen ist ein Mann, der “die Sarangi (Fiedel), Murali (Bambusflöte) und die Dudra (Zupfinstrument) gleichzeitig spielen kann” (Nepalesisches Sprichwort, am ehesten mit Tausendsassa übersetzbar). Daneben ist er Vorstandsvorsitzender der Hilfsorganisation HOPE e.V. und kümmert sich um Entwicklungsprojekte im fernen Nepal und hilft dort in Not geratenen Menschen. Zur Zeit hält sich Johannis in Nepals Hauptstadt Kathmandu auf und berichtet exklusiv für uns (näheres in unserer Beitragsankündigung) in einer vierteiligen Serie über seine Eindrücke.
Da seine Schilderungen ausnahmsweise nichts mit Sheng Fui zu tun haben und aus Gründen der Höflichkeit und des Respekts vor unserem Gastautor, möchte ich Euch darum bitten, in den Kommentaren nur den Inhalt des Beitrags zu diskutieren und die Gemeindegespräche in anderen Beiträgen abzuwickeln.
Johannis steht über ein Internetcafe in Kathmandu mit uns in loser Verbindung und hat versprochen alle Fragen zu beantworten, so es sein angespannter Zeitplan und die desaströse Stromsituation in Nepals Metropole zulassen.
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Nach einem unerquicklichen Flug via Bahrain und Neu Delhi bin ich kürzlich zum xten Mal in Nepal gelandet.
Kaum aus dem Flughafen heraus, hat mich die Hauptstadt Kathmandu verschluckt und wie jedes Jahr in einer Welle von Gerüchen, Geräuschen und verstörend-klaren Bildern durch ihre Gassen und staubigen Avenuen gespült.
Gleich am ersten Tag erlebte ich in der City eine Massenkundgebung – Streiks und Demos sind sozusagen der nepalesische Volkssport – und wurde gleichzeitig Zeuge einer der unzähligen Facetten des Überlebenskampfes der Menschen hier. Wütende Straßenverkäufer zogen mit hastig gepinselten Plakaten durch die Innenstadt und skandierten ihre Parolen. Erst im Nachhinein begriff ich, was diesmal anders ist als sonst: die Gehwege sind nämlich frei von den üblichen Hindernissen.
Eigentlich wird in dieser quirlig-pulsierenden Stadt fast jedes Fleckchen marktwirtschaftlich genutzt, bieten fliegende Händler überall auf Bürgersteigen, Brücken, Treppenstufen ihre Waren an.
Obst, Gemüse, Schuhe und billige Kleidung, Spielzeug, CDs mit Hindi-Pop, Getränke, Taschenlampen und Kofferradios aus China, Geschirr, Schonbezüge fürs Handy, die allgegenwärtigen Gummilatschen, Gewürze, lebendige Hühner – die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Mancherorts haben sich regelrechte Märkte etabliert, reiht sich Stand an Stand auf holperigem Pflaster. Alles natürlich ohne offizielle Genehmigung. Dutzende windschiefer kleiner Hütten aus Bambus, mit wackeligen Sperrholztischen innen drin, das Ganze von leuchtendblauer Plastikplane bedeckt, und davor drängeln sich Käufer.
Vorgestern kamen dann plötzlich die Bagger, rissen alles nieder, und Polizisten verscheuchten selbst jene Frauen, die mit einem Korb selbstgepflückter Beeren oder Gurken aus dem eigenen Garten – frisch aufgeschnittenen mit Salz und Chilipulver bestreut sind sie hier sehr beliebt – entlang einer der belebten Straßen hocken. Die von Kommunisten geführte neue Regierung hat über Nacht den Straßenhandel für illegal erklärt und damit tausende Händler samt Familien ihrer Existenz beraubt. Deswegen die Demonstration, die wütenden Rufe und erbitterten Gesichter.
Gestern las ich dann die traurige Geschichte von einer Gruppe Nepalesen, die in Saudi Arabien unter einer Brücke lebt. Seit 45 Tagen, gut 240 Mann, und doch nur ein paar aus dem riesigen Heer derer, die sich in arabischen Ländern als billige Arbeiter verdingen. Einen Teil ihres mageren Lohns schicken sie nach Hause, damit dort Frau und Kinder oder eben die Eltern und Geschwister satt zu essen haben. Jedes Jahr sitze ich auf der Rückreise nach Deutschland in einem Flugzeug, das mindestens zur Hälfte mit nervösen jungen Männern besetzt ist, die beim Zwischenstopp in Abu Dhabi, Bahrain, Doha oder Moscat aussteigen werden. Sie sind unterwegs zum Job in der Fremde und haben erstmalig die Heimat verlassen. In ihren Gesichtern spiegeln sich zugleich Furcht, Ungewissheit, Trennungsschmerz und die unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die gestrandeten Nepalesen aus dem Bericht haben für eine arabische Baufirma geschuftet, die aber monatelang keine Löhne gezahlt und schließlich pleite gemacht hat. Ohne Geld, Unterkunft und Rückflugtickets hausen die Männer nun seit sieben Wochen unter einer Autobahnbrücke und hoffen auf ihre Heimkehr. Bisher hat sich die dortige nepalesische Botschaft nicht um die Not ihrer Bürger geschert, die Bittsteller werden vertröstet oder abgewiesen.
Heute waren wir dann unterwegs zu drei Dörfern, in denen HOPE e.V. gegenwärtig Schulen baut. Dabei fuhren wir stundenlang durch ein flaches Flussbett, wo überall Männer, Frauen und Kinder damit beschäftigt sind, Steine aus dem Wasser zu sammeln, auf Lastwagen zu laden oder sie gleich vor Ort in scharfkantigen Schotter zu verwandeln.
Mit der Hand, von früh bis spät, für maximal 200 Rupien am Tag. In einem der besseren Restaurants von Kathmandu ist das der Preis für eine Flasche kühles Bier und entspricht etwa zwei Euro. Den Schotter verkaufen sie, denn er wird überall im Land gebraucht, um Beton und Asphalt anzumischen.
Abends las ich in der Kathmandu Post, dass die Behörden die Straßenhändler vorläufig dulden wollen, bis Tihar – das Lichterfest der Hindus – sollen sie alle registriert, mit einer Lizenz ausgestattet werden und anschließend Steuern zahlen. Es gibt hier mindestens 4.000 ambulante Verkäufer und Tihar beginnt Ende November. Ein derartiger Verwaltungsakt wäre selbst für effiziente Behörden ein überambitioniertes Ziel. Für eine vom Chaos regierte Metropole in der Dritten Welt ist es ein Ding lachhafter Unmöglichkeit. Entweder alles bleibt beim Alten und nach Tihar laufen wir wie gewohnt im wilden Zickzack über die Gehwege von Kathmandu, oder die fliegenden Händler werden wieder demonstrieren, Straßen blockieren, Parolen schreien und die geballten Fäuste gen Himmel recken.
Von dort können sie allerdings kaum Hilfe zu erwarten…
Und damit wären wir beim Stichwort Hilfe, denn wo keine Hilfe zu erwarten ist, tritt Sheng Fui auf den Plan. Wir wollen das Projekt von Johannis unterstützen und seinen Verein HOPE e.V. mit ein paar kleinen oder großen Spenden unterstützen. Ihr könnt online über Paypal spenden oder per Banküberweisung auf das Vereinskonto. Ich eröffne die Spendenkette und sage 25 Euro zu. Das ist der Beitrag, der in Nepal/Tibet für den einmonatigen Besuch einer weiterführenden Schule oder als Zuschuss für das Studium reicht. Trägt sich noch jemand in den Kommentaren mit einer Spendenzusage ein?






Hallo Lorenz,
sehr schön gemacht, herzlichen Dank.
Energetische Grüße aus Kathmandu, sunny and warm.
Johannis
Liebe Sylvia,
auf keinen Fall solltest du auf die durchschnittlich 2-400 Kommentare wöchentlich verzichten, mit denen du normalerweise diesen Blog vitalisierst. Sicher wären tmp, der Vogtländer und andere sehr traurig, wenn sie sich ohne dich auf der von Lorenz eingesähten Spielwiese tummeln müssen. Turbokommentieren muss ja nicht unbedingt bei meinen Beiträgen sein, obwohl ich schon gern wüsste, ob euch gefällt/berührt/ärgert/verstört/langweilt, was ich schreibe.
Falls ich in den Garten gehe und an die Kamera denke, bekommst du mindestens ein schönes Bild. Herzliche Grüße nach Wien.
Lieber Lorenz,
könntest du mir wohl bitte als kleines Schmankler einen Avatar aus dem die vorliegenden Blumenkinderbild basteln, damit ich hier nicht als fast zahnloser, kotzgrüner Brillenfuzzy erscheine? Immerwährender Dank und eine angenehme Wiedergeburt sind dir bei Wunscherfüllung sicher.
Grüße, Johannis
ERLEDIGT…
Johannis: Entspricht das nepalesische Tihar dem Diwali?
Falls dem so ist, würde ich wegen unseres allumfassenden Informations- und Bildungsauftrags einen Link auf http://de.wikipedia.org/wiki/Diwali setzen.
Viele Grüße aus dem deutschen Luang-Ho (4 Grad, bewölkt)
Lorenz
Lieber Johannis:
so sehr ich Deinen immerwährenden Dank und vor allen Dingen die angenehme Wiedergeburt erlangen möchte, kann ich Deinen Wunsch nach einer vorteilhafteren Avatareinblendung nur in Teilen erfüllen.
Die Avatare holt sich das Blog von einem “Avatardienst” namens http://www.gravatar.com , bei dem E-Mail-Adresse und Bild miteinander auf das Innigste verzahnt sind.
Du müsstest Dich dort einmalig und kostenlos mit Deiner E-Mail-Adresse, einem Benutzernamen (der keine Rolle spielt, weil er nur innerhalb der Gravatar-Datenbank geführt wird) und einem Lichtbild anmelden.
Gravatar ordnet der von Dir beim Kommentieren angegebenen E-Mail-Adresse künftig Dein Bild zu und blendet dieses neben dem von Dir angegebenen Namen ein. Und wenn Du eine E-Mail-Adresse verwendest, die nur Dir bekannt ist, kann auch kein anderer Dein Bild einblenden lassen indem er unter Deiner E-Mail-Adresse kommentiert.
Dies funktioniert übrigens nicht nur auf Sheng Fui, sondern auch auf allen anderen Blogs, die das Konzept unterstützen (und das werden immer mehr).
Energetische Grüße
Lorenz
tmp 14: Danke für Deine Gedanken. Die Beitragsreihe ist für 4 Wochen geplant; vielleicht fällt uns ja noch etwas publicityförderndes ein.
Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich gerne an den Tong Shu, den ich bei einem Gewinnspiel der Feng-Shuiler gewonnen hatte. Es fing damit an, dass ich ihn nicht haben wollte (Der Fluch des Ton Shu) und ihn zu Gunsten von HOPE e.V. versteigern ließ. Darauf meldeten sich einige andere wie Holly, Sylvia und Eule, die ebenfalls auf den Tong Shu boten, ohne dies gefährliche Ding besitzen zu wollen.
Die Versteigerungsaktion ist nachzulesen unter:
http://www.feng-shui-blog.eu/2008/05/04/ueberraschende-wendung-im-gewinnspiel/
Unser Beitrag dazu steht hier:
http://www.sheng-fui.de/internes/feng-shui-internes/der-fluch-des-tong-shu/
Energetische Grüße
Lorenz
tmpingo, dann verschenke es weiter oder lasse Dir vorlesen
Hallo, als bisher stiller Mitleser möchte ich mich für die schöne Lektüre bedanken mit 5 Euro an Hope, es ist per PayPal unterwegs. Beste Grüße!
Ich bin auch mit 5 Euro dabei. Per Paypal.
Im übrigen schließe ich mich kapito an, danke für die Texte!
Hallo Johannis,
natürlich werde ich wieder deine Aktion und Hope mit einem geldbetrag unterstützen.
Eine Freundin von uns ist jedes Jahr für mehre Monate in Kathmandu im CP-Center. Sie zeigte uns Fotos vom Lichterfest und berichtete darüber. wenn deine Zeit es zulässt,
solltest du diesem Fest beiwohnen.
Mit Grüßen an Form und Inhalt
Sven
Sven, danke, dass Du für den guten Zweck ein temporäres Fasten-Brechen zugelassen hast!
Energetische Grüße, Lorenz
An alle:
Besten Dank für eure freundliche Anerkennung sowohl der Vereinsarbeit als auch meiner schreiberischen Bemühungen. Dank auch vor allem an jene, die bereits gespendet haben, noch spenden wollen oder überlegen, wie diese Miniserie eine breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Dank auch allen, die woanders chatten und hier nur halbwegs ernsthafte Kommentare absondern. Wenn man von zuhause DLS mit 16.000 kb/sec gewohnt ist, bekommt man hier schnell einen Verzweiflungsanfall, weil der Aufbau dieser Seite mit allen Bildern und Kommentaren locker ein bis zwei Minuten dauert. Und mit Pech zwischendurch abbricht, so dass – wie eben – ein etwas längerer Kommentar halbfertig im globalen Datenorkus verschwindet. Aber es ist ja Feiertag und Alzheimer hat mich bisher verschont, deshalb tippe ich alles gern! erneut ein. Bis bald also, der Beitrag für kommenden Mittwoch ist fast fertig. Herzliche Grüße aus Kathmandu.
@ Lorenz: Danke für den Hinweis und den Einbau des fehlenden Bildes. Ja, Tihar wird auch Diwali oder Deepawali genannt. Ob ich Lust auf die Avatarnummer – siehe hiesiger Datenspeed – habe, überleg’ ich mir. Hast du denn nun ein Galerie-Plugin gefunden, damit ich meine Fotos auch vollzählig wiedersehe?
@15: Schau gern mal auf meiner Website im Bereich PROSA nach, da kannst du Beiträge zum Volksaufstand der Nepalesen im Jahr 2006 finden und unter Bilder findest du eindrückliche Fotodokumente. Auch ich wurde damals verhaftet. Natürlich versuchen sie sich zu wehren, aber was wollen sie gegen bewaffnete Polizisten machen? Dazu hat ihr Tun keine Rechtsgrundlage, und die niedergelassenen Ladenbesitzer, die Miete, Löhne, Steuern etc. zahlen, sehen die Konkurrenz der fliegenden Händler verständlicherweise nicht gern.
@26: Danke für den Tipp, hier im Touristenviertel Thamel ist es fast unmöglich, diesem Fest nicht beizuwohnen, wie ihr nächste Woche sehen werdet. Ich war aber vor Jahren auch schon mal im Terai auf dem Land bei einer richtig zünftigen Familientiharfeier dabei. Nervig sind die Böller, die hier in der Stadt tagelang von früh bis spät und – wie fast alles in diesem Land total unkoordiniert – losdonnern.
@28: Besten Dank, Bankanweisung ist mir auch lieber, denn Paypal zieht uns recht saftige Gebühren ab. Lass dich in der Hauptstadt nicht unterkriegen, zumindest hast du Heizung, sauberes Trinkwasser und Strom. Der wird hier in KTM z.Zt. für 28 Stunden wöchentlich abgeklemmt, Tendenz steigend. In zwei Stunden ist es wieder soweit.
Grüße allerseits von Johannis
@ 18
ist auch Syntropia Satire, die kommen so ernst daher?
Ist dies ein SatireNetzwerk?
an alle Spendenwütigen:
Macht euch nachträglich keinen Kopp wegen Paypal, es sind nur ungefähr 1,5 % an Gebühren.
@ Sylvia: Ich hab schon recht viel im Kopf, aber nicht unsere IBAN oder das BIC (dachte das sind Einwegfeuerzeuge?). Aber die Bank deines Vertrauens hilft dir sicher weiter. Und über die grundsätzliche Mündigkeit der Leser hätte ich schon noch ein, zwei Fragen…
@tmp: Ma olikoti nepali kura paunu sogtsu, but most of the time I am speaking english with the people here, because that’s easier and more comfortable for me.
@ tmp
Es tut mir leid, aber meine knapp bemessene Zeit lässt es nicht wirklich zu, dass ich hier Fragen beantworte. Nur soviel, mal eben geht in Nepal gar nichts, außer man geht mal eben pinkeln.
Unsere Mitarbeiter haben studiert und sind deshalb mindestens zweisprachig, ich hab also immer eine(n) Muttersprachler dabei. Nepali lernt man ähnlich leicht/schwer wie Hindi, ich bin aber zu faul dazu, auch weil ich Nepali sonst in der Welt nirgends nutzen kann. Dazu finde ich es fair sich sprachlich auf halber Strecke zu treffen, denn Englisch ist natürlich nicht meine Muttersprache.
Manche deutschen NGOs stellen nur Leute ein, die Deutsch können und ziehen ihre Projekte dann eben auf Deutsch durch, das finde ich aber nicht okay.
Grüße, J.
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