Das Orakel der Teetasse

DAS ORAKEL DER TEETASSE ist wohl eine der ältesten Offenbarungen der Menschheitsgeschichte und selbst bei Feng-Shui-Anhängern unumstrittene Methode der Zukunftsvoraussage. Im Buddhismus bediente man sich in der Vergangenheit ausgesuchter Mönche, die als Medium fungieren, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Diese Mönche genossen seit jeher größtes Ansehen am Hof und im Volk. Da die Trancezustände bei den Orakelsprüche überaus energieraubend waren, starben die meisten dieser Medien bereits im Heranwachsenenalter. Erst um die Jahrtausendwende (980 nach Chr.) erkannte der Klostervorsteher des Klosters von Chi-Gong das Orakel der Teetasse, was die Lebenserwartung der medialen Mönche schlagartig vervielfachte. Fortan konnten sich die Mönche wieder ihren eigentlichen Aufgaben widmen und sich bis ins hohe Alter um ihr spirituelles Wohlergehen kümmern.

Mittlerweile ist das Orakel der Teetasse weithin anerkannt und wird auch für weltpolitisch wichtige Entscheidungen herangezogen. So konsultiert die tibetische Exilregierung mit ihrem Obehaupt, dem Dala Lama bei wichtigen Fragen um das Wohl und Wehe des kleinen Bergstaates stets das Orakel der Teetasse.

Aber auch der chinesischen Staatsregierung sagt man nach, dass sie vor wichtigen parteipolitischen Entscheidungen das Orakel befragt. Bei besonders sinnlosen oder fragwürdigen Entscheidungen spottet der Volksmund dann mit dem in China geflügelten Wort für Behördenwillkür ???? ???? (sinngemäß: die hatten wohl einen zu viel im Tee).

Zur praktischen Anwendung des Orakels der Teetasse: Brühen Sie eine Kanne Jasmintee auf und füllen Sie eine Tasse mit dem noch dampfenden Getränk. Nun wird die Teetasse mit verbundenen Augen auf einem chinesischen Bambusuntersetzer platziert.

Nehmen Sie nun die Augenbinde ab und wischen eventuell verschütteten Tee weg bzw. verteilen etwas Brandsalbe.

Der Standort der Teetasse gibt den Orakelspruch wieder. Mit Hilfe der Illustration können Sie das Orakel schnell entschlüsseln. Im obigen Bildbeispiel sagt das Orakel der Teetasse: „Palast der Sehnsucht“.