
Angesichts dieses körperlichen Affronts ließ Miezuki nun alle Hemmungen fallen und lief in den Resten des Büfetts Amok. Vor Wut kreischend fuhr der tobende Katzen-Berserker herum und zog dem verdutzten Greifer seine manikürten Krallen durch das triumphierende Antlitz.
Kellner Namenlos ließ augenblicklich den Schwanz fahren und schlug sich schreiend die Hände vor das zerfetztes Gesicht. Die heftig und stoßweise zwischen seinen Fingern hervorsprudelnde Blut-Fontäne sorgte bei allen Beteiligten für einen Moment sensationslüsterner Faszination.
Meister Wang hatte sich früher oft gefragt, warum Unglück und Leid von Personen und Tieren, vorzugsweise von beiden gleichzeitig, einen derartig erbauenden Effekt, vergleichbar mit einer Nase schneeweißen Ginsengs, hatten.
Wie so oft hatte Tse Tang die Antwort parat: Der Anblick von verunglückten Verkehrsteilnehmern helfe bei der Stabilisierung des eigenen Ichs. Jeder Gaffer werde sich sofort bewusst, dass es anderen Zeitgenossen noch schlechter geht, als ihm selbst.
Dieses Argument klang überzeugend. Nicht umsonst führte der handkolorierte Bildband „Crash – Die verrücktesten und spektakulärsten Unfälle mit Eselkarren“ seit Jahrzehnten in immer neuen Auflagen die offizielle kaiserliche Bestsellerliste an. Die subtile Kombination aus Komödie und Horror kam beim Publikum an und verwies selbst Tse Tangs zahllose Selbstmanagment- und Lebensratgeber für Männer auf die Plätze.
Auch Meister Wang fühlte sich nach seinen regelmäßigen Ausflügen zur berüchtigten „Sänftenschikane“ – einen vielbefahrenen Kreuzungspunkt konkurrierender Fahrt- und Lebenswege, ausgeglichen, beschwingt und euphorisch. Ein schlechtes Gewissen hatte er nicht. Immerhin hatte der große Tse Tang höchstpersönlich jedem verheirateten Mann aus therapeutischen Gründen den regelmäßigen Katastrophentourismus in den nachmittäglichen Berufsverkehr empfohlen. Leider hielt die Wirkung der Stabilisierung des eigenen Ichs nie lange an. Dafür war Missis Wang einfach zu fett.